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Sonderpreis „60 Jahre Hessen“ für die Historikerin Dr. Elke Schüller aus Frankfurt
Der Elisabeth-Selbert-Preis des Landes Hessen 2005, der in diesem Jahr erstmals bundesweit ausgeschrieben worden und mit 10.000 Euro dotiert ist, geht an die Autorin, Unternehmerin und Sozialwissenschaftlerin Gisela Anna Erler aus Berlin. Diese Entscheidung der Jury gab die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger heute in Wiesbaden bekannt. „Gisela Anna Erler hat als frauenpolitische Vordenkerin und Praktikerin die Chancengleichheit in Deutschland entscheidend vorangebracht“, erklärte sie. Die Qualität ihres zukunftsorientierten Lebenswerkes und die Nachhaltigkeit ihrer kreativen Problemlösungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am Berufs- und Familienleben für Frauen und Männer hätten die Jury überzeugt. Den Elisabeth-Selbert-Sonderpreis anlässlich des 60jährigen Bestehens des Landes Hessen in Höhe von 2.500 Euro erhält die Historikerin Dr. Elke Schüller aus Frankfurt.
Der Elisabeth-Selbert-Preis trägt den Namen der hessischen Juristin, die 1949 die Verankerung des Artikels 3 Absatz 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ gegen viele Widerstände erfolgreich durchsetzte. „Die besondere Bedeutung von Elisabeth Selbert für Hessen liegt neben ihren Verdiensten am Grundgesetz auch in ihrer prägenden Mitwirkung für die Hessische Verfassung noch vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland“, betonte die Ministerin. Mit dem Preis werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die in hervorragender Weise mit ihren Leistungen für die Gesellschaft zur Verwirklichung von Chancengleichheit und Gleichberechtigung beigetragen haben. Diese Leistungen können in der alltäglichen Praxis, durch eine Einzelarbeit, durch besonderes Engagement, durch berufliche Kompetenz oder durch ihre nachhaltige Wirkung auf die Gesellschaft zum Ausdruck gekommen sein.
Gisela Anna Erler erhält nach den Worten der Ministerin die Auszeichnung für die in Deutschland einzigartige Kombination von frauenpolitischem Engagement, wissenschaftlichem Know-how und unternehmerischem Elan. „Frau Erler verbindet die hierzulande üblicherweise getrennten Bereiche des gesellschaftlichen Engagements, der Wissenschaft und des Unternehmertums unter dem Blickwinkel von Gleichberechtigung. Ihre Leistung besteht darin, dass sie als Vordenkerin den Mut hatte, das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon zu einer Zeit provokativ in die öffentliche Debatte zu bringen, als es noch verpönt war, über die privaten unterschiedlichen Voraussetzungen von Chancengleichheit bei Frauen und Männern zu sprechen.“
Gisela Anna Erler habe ihre Erkenntnisse pragmatisch in die Tat umgesetzt. Sie war Gründerin von Mütterzentren und initiierte das „Familien-Audit“ für Unternehmen und Verwaltungen. Frau Erler erarbeite praktische Lösungsansätze für die Erfordernisse und Bedürfnisse der Frauen und realisiere diese mit dem von ihr gegründeten, bundesweit tätigen Unternehmen pme Familienservice GmbH. Hierzu gehörten passgenaue Service- und Unterstützungs-Angebote für Unternehmen sowie für deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um eine bessere Balance zwischen beruflichem und privatem Leben ermöglichen zu können. „Ihr zentrales Anliegen ist die Herstellung von Partnerschaft zwischen Gesellschaft und Unternehmen, damit Gleichberechtigung in jeder Form gelingt. Dieses beharrliche Engagement drückt sich nicht zuletzt darin aus, dass sie nunmehr als Programmdirektorin auf europäischer Ebene in einem Council von 30 multinationalen Firmen für die Strategiebildung zum Thema Work-Life-Balance und Diversity zuständig ist“, führte Silke Lautenschläger aus.
Politik von Frauen dokumentiert
Dr. Elke Schüller erhält den Elisabeth-Selbert-Sonderpreis, der aus Anlass des Jubiläums „60 Jahre Hessen“ vergeben wird, für ihre Dissertation „Frau sein heißt politisch sein. Wege der Politik von Frauen in der Nachkriegszeit am Beispiel Frankfurt am Main (1945-1956)“. Diese Arbeit beleuchtet das frauenpolitische Engagement von Politikerinnen in der Nachkriegszeit, die parteiübergreifende Bündnisse zur Durchsetzung demokratischer Standards schlossen. „Dr. Schüller ist es gelungen, mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit dem vorherrschenden Bild von Frauen als tapfere ‚Trümmerfrauen’ in der Nachkriegszeit die wichtige Facette politisch klug handelnder Frauen hinzuzufügen“, so die Ministerin. Darüber hinaus wird die Wissenschaftlerin für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement gegen das Vergessen frauenpolitischer Aktivitäten in der Nachkriegszeit geehrt. Sie hat großen Anteil daran, dass bedeutende Nachlässe hessischer Frauen archivarisch gesichert werden konnten.
Insgesamt würdigte die Jury die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten und begrüßte die in diesem Jahr geänderte Zielsetzung des Preises, der seit 1983 vergeben wird. „Der Elisabeth-Selbert-Preis wurde in einer Zeit gestiftet, in der Frauenthemen lebhaft diskutiert wurden und das Interesse an weiblichen Vorbildern zunehmend wuchs. Seither ist das Bewusstsein über die Notwendigkeit eines partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Männern und Frauen gewachsen und die Gesellschaft hat sich durch das Engagement und die Kompetenz vieler Frauen verändert“, erläuterte die Ministerin. Die Zweckbestimmung des Preises wurde daher dieser gesellschaftlichen Entwicklung angepasst. So wurde mit der Preisverleihung 2005 erstmals die Begrenzung auf eine einzelne wissenschaftliche und journalistische Arbeit aufgegeben und das Kriterium der nachhaltigen Wirkung eines gesellschaftlichen Engagements für Chancengleichheit und Gleichberechtigung aufgenommen. Der Preis wird entsprechend der überregionalen Bedeutung Elisabeth Selberts nun bundesweit ausgeschrieben und alle zwei Jahre vergeben. Die diesjährigen Preisträgerinnen werden im Herbst 2005 in Kassel auf Schloss Wilhelmshöhe durch die Hessische Sozialministerin ausgezeichnet.
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